Auf Bunma, dem 40-jährigen Elefanten durch das Reich der Wlan-Suchenden

Thailand #2 Der hintere Bereich meiner Zunge brennt, so scharf ist das Essen. Ich vermute etwa da, wo mein Gaumenzäpfchen ist, hat sich mein Fleisch rot gefärbt, es anfühlt sich jedenfalls genauso an. Wir sitzen an einem halb kaputten Plastiktisch mit einer Tischdecke, auf der Coca Cola in Thailändisch bedruckt ist, ebenso aus Kunststoff. Das Essen (wir hatten Reis mit Chicken süß-sauer bestellt und haben Reis mit Chicken scharf bekommen) ist wahnsinnig lecker, also können wir nicht aufhören zu essen, auch wenn jeder Happen mit einem Biss in die danebenliegende Gurke und einem Schluck Lemon Fruchtshake betäubt werden muss. Die Angst vor schlechtem Essen haben wir fast gänzlich verloren. Bei genauerer Überlegung, wie manche Küchen in Deutschland aussehen mögen, befinden wir hier das für gut, was wir sehen.

Unser Tisch steht direkt vor der Kochplatte, die Zutaten schneidet die Köchin vor unseren Augen und wirft sie in den Wok. Durch das Neonlicht erkennen wir die einzelnen Nudeln- und Reissorten. Es ist 21.30 Uhr und der Mond steht am Himmel. Am Sonntag findet in ganz Thailand die legendäre Vollmondparty statt. Ob die Scheibe dann schon ganz voll ist, bezweifeln wir – aber zumindest wird es gegen sieben Uhr dunkel, sodass die Party früh beginnen kann. Hingehen werden wir natürlich nicht. In Dortmund und NRW gehen wir gerne feiern und trinken ganz nach Studentenart nicht zu wenig.

Hier sitzen wir generell nach 20 Uhr auf unseren Terrassen, lesen, quatschen und skypen. Wie so Omis, aber was soll’s. So fühlen wir uns wohl, so ist es für uns Urlaub. Deswegen haben wir für unser nächstes Ziel Ko Pha Gnan eine Familienunterkunft „weit weg von der Fullmoonparty“, wie es einer negativen Bewertung hieß, gebucht. Wir persönlich finden das sehr positiv.

Jedenfalls ist Ko Lanta bisher definitiv der schönste Stopp auf unserer Reise. Nach Mallorca-Phi Phi ist es hier viel weitläufiger, die Menschen freundlicher und das Flair einfachgehend entspannter. Das war auch dringend angebracht nachdem wir auf Ko Phi Phi von dem Besitzer des Fährunternehmens begrüßt wurden als würde er sich alle zehn Minuten selbstangebaute Drogen reinwerfen: „Ko Lanta, Ko Lanta. It’s my Company, my Company. Ko Lanta, Ko Lanta“. Passend holprig war die Fahrt, die zum Glück nur eine Stunde gedauert hat. Als wir ankamen, waren wir klitschnass weil sich die Regenzeit hin und wieder eben doch bemerkbar macht. Nichts aber konnte unsere gute Laune trüben, wir waren auf Ko Lanta und wussten, dass wir nun drei Nächte in einem Luxus-Ressort verbringen würden. wpid-img_20140805_161902.jpg Und das ist es. Luxus und Entspannung pur. Unser Bungalow steht an einem riesigen Pool und in Blickrichtung nach links schlagen die Wellen gegen den Strand. Abends als wir zu Bett gingen, waren wir glücklicher denn je.

Mit Wellengeräusch schliefen wir ohne Moskitonetz (oder gar zwei!!!) in einem großen Bett in dem saubersten Raum, den wir bisher sahen, inklusive eigenem Bad mit Dusche, vollkommen zufrieden ein. Ihr hört: Begeisterung pur. Aber nicht zu schnell: Am Pier hat uns ein Taxifahrer aufgegabelt und wir haben statt 150 nur 100 Baht gezahlt, chacka! So langsam haben wir es raus. Das Taxi bestand übrigens aus einem Motorroller und zwei angebrachten Bänken mit Dach. An der Hotelrezeption wurden wir von Superior- auf Bungalow mit Poolview upgegraded, yeah! Gebucht haben wir die drei Nächte über die Hotelapp Agoda. Da gibt’s immer super geile Schnäppchen, auch für Deutschland zu empfehlen. Denn: Statt 70 Euro pro Nacht, zahlen wir nur zehn. Am Nachmittag haben wir uns die Stadt angeguckt, mir ein T-Shirt gekauft – auf dem steht „Follow me“.

Trotz Urlaub arbeite ich hier nämlich schwerstens an meiner Reputation und konnte am ersten Tag auf Ko Lanta ganze sieben Follower bei Twitter gewinnen. Außerdem haben wir leckeres Thai-Essen auf unserer Terrasse genossen und total überteuerte Fruchtshakes aus der Hotelküche getrunken. Bereits am Vorabend dem Frühstück entgegen gefiebert, hielt es Alles was in den Agoda-Bewertungen versprochen wurde: Rühr- und Spiegeleier, Omelettes, Würstchen, Früchte, Pancakes, Toasts. Ein Traum! Den Bauch vollgeschlagen, waren wir durchaus bereit, uns einem wohl etwas anstrengendem Programmpunkt zu stellen: einem Ausflug. Um 13 Uhr wurden wir abgeholt und was uns dann erwartete, war so cool. Bunma trug uns quer durch den Wald, war 40 Jahre alt und ein Elefant.

Aber das absolute Highlight war, als unser Guide uns aufforderte, unsere Schuhe auszuziehen und Bunma zu waschen und zu bürsten. Das war so ein krasses Erlebnis, was wohl jeder Tourist hier schon gemacht hat. Für mich ist es trotzdem kaum in Worte zu fassen. Es war einfach besonders. Und besonders lustig als wir wieder auf Bunma draufsaßen und der Guide ihn ohne sich auf Bunmas Kopf losschickte… Angst hatte ich eigentlich nicht zumal wir ihm ja vorher Gutes getan hatten. Natürlich konnten wir nicht umhin, über die Behandlung der Elefanten im Rahmen der Touri-Branche nachzudenken. Ich weiß nicht, ob es Naivität oder die Freude war, die uns während des Waschens durchströmte – irgendwie hatte ich kein schlechtes Gefühl als wir von ihm abstiegen, die Thais schienen ihre Elefanten zu lieben und die Elefanten die Thais. So hoffen wir es einfach mal.

Danach wurden wir mit einem Pickup auf der Ladefläche zu einem Parkplatz gebracht, von dem wir zu einer Höhle und anschließend zu Einem kleinen Wasserfall gewandert sind – zur Abwechslung mal mit einem weiblichen Guide. Sie sprach nur mittelmäßig englisch, versuchte uns aber so viel wie möglich zu erklären, machte Fotos von den aufgeregten Europäerinnen und lächelte bei jedem Blickkontakt. Wir lächelten jedes Mal zurück. Sowieso versuchen wir hier so oft wie möglich, den Thais die Freundlichkeit, mit der sie uns begrüßen, zurückzugeben. Das gehört sich schließlich so für Gäste. Bevor wir zurück zum Hotel gebracht wurden, gab es noch zwei amüsante Erlebnisse: Erstens stellten wir anhand eines Schildes fest, dass es auf dem Parkplatz von eben Wifi gab. Mitten in der Pampa vom thailändischen Ko Lanta, hier wo es laut Reiseführer erst seit vier Jahren beteerte Straßen gibt, haben sie kostenloses Wlan und die Deutsche Bahn hat es nicht geschafft, in ihren neuen Regionalzügen Internet zu installieren?!?!?! Apropos, das musste ich noch twittern…

Zweitens war da die holländische Familie, die uns schon bei der Hinfahrt zu Bunma amüsiert hat. Der Mann, Mitte 40 schätzungsweise, ist eigentlich ganz ansehnlich, die Frau vergleichsweise nicht. Jeder, der den Film Mathilda geguckt hat, weiß wovon ich spreche: Fräulein Knüppelkuh.

Zugeben, das ist ein wenig zu hart, weil sie weder eine Peitsche oder einen Luftabschneider bei sich trug, noch hatte sie ihrer Tochter die zwei Zöpfe abgeschnitten… drei Kinder, ein Sohn ist gestraft und kommt nach der Mutter, die Tochter bildhübsch – also Vaterkind und der Kleinste ist eine Mischung. Jedenfalls kamen wir nach unserer Tour wieder bei der Sammelstelle zusammen und wurden von fünf äußerst aufgebrachten Holländern empfangen: Ihr Elefant stand nur rum und gewaschen haben sie ihn auch nicht. Nach kurzer Diskussion mit dem Veranstalter durften die Kinder noch einmal zu den Tieren. Danach waren alle zufrieden und wir mehr als belustigt.

Durch die Fahrt zum Ausflug haben wir fast die ganze Insel gesehen, welche durchaus Schön aber auch durchaus verlassen ist. Nebensaison halt. Deswegen haben wir abends auch eine Weile gebraucht um ein Restaurant zu finden und nahmen schließlich an dem Stand vom Anfang Platz. Heute, Donnerstag haben wir noch genau zehn Tage. Von dem Gedanken an die kurze Zeit mussten wir uns erstmal erholen, deswegen liegen wir seit dem Frühstück am Pool. Jetzt ist es 14 Uhr und der Hunger sowie ein Hauch (okay, es ist ein Sturm) von Sonnenbrand treiben uns Richtung Stadt. Außerdem müssen wir die Fähre nach Ko Pha Gnan buchen. 20140806_130827 Gott sei Dank finden wir in unserem Ressort, das übrigens den edlen Namen „Golden Bay Cottage“ hat, die Ruhe, die wir brauchen (haha). Heute Mittag beispielsweise bin ich nach drei Stunden chillen hochgeschreckt und schlug vor, ins Museum zu gehen.

Clare konterte mit einer Tempelsuche. Wir mussten herzhaft lachen und versanken wieder in unsere derzeitigen Tätigkeiten: schlafen und lesen. Die Gäste hier sind auch alle sehr entspannt, nur eine Familie lässt uns keine Ruhe: Der Mann ist Mitte bis Ende 50 und deutsch. Die Frau ist Mitte bis Ende 30 und thai. Gekauft? Liebe? Die drei süßen Jungs (wir schätzen ein Jahr, fünf und acht Jahre alt) der beiden lassen auf letzteres schließen. Der Umgang zwischen den Erwachsenen auf ersteres. Bisweilen sind wir mit unserer Recherche nicht voran gekommen und haben uns vorgenommen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Berufsrisiko!

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