Die Ko’s und der SMS-schreibende Busfahrer

Nach Ko Lanta kommen Ko Pha Gnan und Ko Samui

Unsere Strandliegen stehen auf einer Erhöhung, mit Stein und Sand angehäuft. Palmenblätter schützen uns vor der Mittagssonne und Helene Fischer dröhnt mir in den Ohren: Der Himmel ist das Ziel, singt sie. Besser noch: Mitten im Paradies. Denn, wenn ich mir in meinem Leben das Paradies vorgestellt habe, sah es so aus wie ich es gerade direkt vor Augen habe. Blau-türkises Meerwasser läuft entlang eines traumhaften Strandes, der von Palmen und Sonnenschirmen gesäumt ist.

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Rechts ist nichts als Horizont, blauer wunderschöner Horizont. Und vor uns, nur 20 Minuten mit dem Katamaran entfernt, liegt Ko Pha Gnan. Ich schließe die Augen und versuche, mir dieses Bild einzuprägen. „Du musst es in dir aufsaugen“, sagt meine Mutter immer. Ich sauge es auf, atme ganz tief ein und fixiere ein Fischerboot, das genau in der Mitte zwischen den beiden Inseln verweilt. Wenige Meter daneben lässt sich ein Windsurfer Wellen von Jetski-Fahrern machen. Unlängst muss ich an den Text „Die Seeschlacht“ von Henning Sussebach denken. Glücklicherweise erfährt der Surfer vor Ko Samui nicht das gleiche Schicksal.

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Ko Pha Gnan: aus Träumen gemacht.

An das „Resort“ auf Ko Pha Gnan vermag ich am liebsten nicht mehr zu denken. Über Agoda gebucht, haben wir 17 Euro pro Person pro Nacht gezahlt. Warum schon wieder ein Resort, fragt ihr euch? Backpacker schlafen doch eigentlich in überfüllten, viel zu warmen, Hotelzimmern, meist mit fünf bis neun Mitbewohnern. Das wollten wir auch eigentlich – bis wir erfahren haben, dass wir uns die berüchtigste Fullmoonparty-Insel von ganz Thailand ausgesucht haben, um genau vor dieser Party zu flüchten. Schade! Also haben wir eine Familienunterkunft gebucht, in der der Pool dreckig, das Badezimmer angebaut und nur halb überdacht und das Wifi gänzlich unfunktional war. Doppelt Schade!

Trotzdem: Erstmal waren wir froh, überhaupt auf Ko Pha Gnan angekommen zu sein. Nachdem wir in einem Minivan aus dem Golden Bay Cottage auf Ko Lanta abgeholt und zur Fährstelle in Donsak gebracht wurden – also von der Westküste an die Ostküste, waren wir halb amüsiert, halb glückselig, überlebt zu haben. Clare saß vorne, hinter dem Fahrer und ich weiter hinten am Fenster, Helene auf den Ohren. Oder war es das neue Album von den Backstreet Boys? (Sehr zu empfehlen übrigens)

Als wir Pause gemacht haben, berichtete Clare mir jedenfalls von der abenteuerlichen Fahrweise unseres thailändischen Fahrers. Er hätte sich öfter die Augen zugehalten, als dass er auf die Straße geguckt hat. Vermutlich hat er versucht, sich die Müdigkeit zu vertreiben. Außerdem habe er abwechselnd SMS geschrieben, telefoniert und gesungen glaube ich. Bestimmt hat er auch gesungen. Clare und der Rest unserer Mitfahrer waren dementsprechend schlecht gelaunt, ich hingegen hatte so dermaßen einen Lachanfall. Herzhaft hab ich gelacht. Was sollten wir auch machen? Trampen würde ich bestimmt nicht. Und dann war da auch noch „der kotzende Engländer“, wie Clare ihn liebevoll nannte.

Der arme Typ war mit seiner Freundin extra für die Fullmoonparty auf dem Weg nach Ko Pha Gnan und bekam am Morgen der Abreise die Grippe. Der Fahrer nicht amused wegen der ständigen Kotzanfälle des Engländers, die Urlauber nicht amused wegen der lebensgefährlichen Fahrweise und ich mittendrin, immer noch lachend. Der liebe Gott passt schon auf uns auf, hab ich mir gedacht.

Auf Ko Pha Gnan angekommen und dem unschönen Hotel entflohen, verbrachten wir den Abend in einer Beachbar, tranken frisch gezapftes Bier, hatten Wifi und aßen himmlisches Thai-Essen. Den Fruchtshake ließen wir aber stehen, Clare schmeckte Plastik darin… #Sonnenstich 😉

Am nächsten Tag haben wir uns nach dem Frühstück, bei dem man einen Kaffee und ein Frühstücksgericht bekam (17 Euro hört sich nicht viel an für eine Nacht in einem Bungalow direkt am Strand. Nur zum Vergleich: Hier zahlen wir 25 Euro pro Nacht und befinde und im Paradies in jeder aller möglichen Hinsichten: Service, kulinarisch, … aber dazu komme ich noch). Der holländischen Familie, die in unserem Nachbarhaus wohnte, gefiel die Ein-Gericht-Regel jedenfalls genauso wenig wie mir – sich über Holländer in Thailand lustig zu machen, ist aber einfach sehr spaßig. Die sind nämlich überall. Wie die Japaner. Überall!

Am Samstag haben wir uns zum zweiten Mal in zwei Tagen einer lebensgefährlichen Situation ausgesetzt: Wir haben uns Motorroller gemietet. Alter, das war vielleicht aufregend. Verkehrsregeln? Straßenschilder? Als ob, hier hat der Vorfahrt, der schneller ist. Kurzer Exkurs zu unseren Fahrtüchtigkeiten: Ich – noch nie auf einem Roller gesessen – bin das letzte Mal vor anderthalb Jahren Auto gefahren und Clare macht gerade ihren Führerschein. Nein, ich reise nicht mit einer 18-Jährigen, sie ist nach dem Abi für das Geld lieber nach Australien geflogen – kluges Mädchen.

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Nun gut, wir haben uns also auf die Roller geschwungen, den ängstlichen Blick der Vermieterin im Rücken und sind losgedüst. Mit höchstens 40 Km/h hab ich mich gefühlt als würde ich 200 fahren, stolz mit meinem pinken Helm. Achja: Hier ist übrigens Linksverkehr 😀 Ehrlich gesagt: Ich hab keine Ahnung, wie wir das unfallfrei überstanden haben. Lustig war es aber trotz Muskelkater in den Händen, weil die so verkrampft am Gas und an der Bremse hingen.

Nach der ganzen Aufregung haben wir am Sonntag mal wieder Erholung gebraucht, so ein Stress hält ja keiner drei Tage hintereinander aus. Also haben wir gefrühstückt und uns dabei über unsere Nachbarn lustig gemacht. Der Strand auf Ko Pha Gnan war ebenso schön wie der hier, aber längst nicht so ruhig und hoteleigen haha. Sowas Freches. Andere Leute am Strand.

Sonntagabend war es soweit: Der Supermond stand am Himmel, die T-Shirts der Feierwütigen wurden luftiger und bunter. Das Motto der Party War scheinbar: Komm in Neon und so nuttig, wie du nur kannst. Und dann passierte es: Stromausfall auf der ganzen Insel. Sowas kommt wohl öfter vor, ein paar Mal pro Woche aber nur selten hat es die Auswirkungen wie an diesem  Abend. Eine Gruppe neonfarbiger Mädels stand ungeduldig vor dem hell erleuchteten 7Eleven, dem Supermarkt hier. Der Strom war wieder da und die Aufregung perfekt. Vor den Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen, die Systeme mussten erst wieder hochfahren.

Und als ich geradewegs auf den Supermarkt zuschlenderte, raunte ich Clare zu warum die da alle so dumm vorstehen. Erst da hab ich gemerkt, dass die Kassensysteme erst wieder in Betrieb genommen werden musste. Von den Umstehenden ernteten wir, in unseren Chill-dresses, nahezu verächtliche Blicke. Die Gruppe Neons was deutsch, ups. Als die Türen öffneten, rannten die Leute in den Laden geradewegs auf den Kühlschrank zu, in dem sich das Bier befand. Binnen fünf Minuten war der Schrank leer und die Schlange vor der Kasse länger als vor der Wilden Maus im Moviepark. Wir waren sprachlos, so irre führten sich die Reisenden an diesem Abend auf. Nur wegen dieser bescheuerten Party.

Wir stellten uns hinter die Mädels, die uns so verärgert angeguckt haben und Clare meinte gerade so laut dass die es hören könnten: „Lass uns doch morgen mal googlen, wie viele heute Nacht verschleppt und ausgeraubt wurden“ :-O Oho. Da waren sie wieder, die Blicke. Ist bestimmt keinem was Passiert, nöö. Voll ungefährlich so Parties mit tausenden Betrunkenen auf einem kleinen Strandabschnitt…

Die Fahrt am nächsten Morgen nach Ko Samui verlief schnell und reibungslos. Kurzerhand standen wir also in der Lobby vom „Paradise Beach Resort“ und tranken die hoteleigene Limonade. Aus einer thailändischen Pflanze wird diese hergestellt, erklärte uns unser Empfangsmann. Clares einziger Kommentar war: „Und wir mit unseren ungewaschenen Haaren, Laura.“ Ein Anblick für die Götter. Nur der Hase Felix, den mir meine Schwester geschenkt hat, als ich vor drei Jahren nach Barcelona gezogen bin, sah aus wie am Anfang unserer Reise. Nicht nur der Empfangsmann begrüßte uns sondern auch Katja, die deutsche Hotelmanagerin.

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Ha! Da haben wir es nämlich: Die Freundlichkeit, der Service, die Sauberkeit (endlich gibt es mal mehr als einen Mülleimer in dem Resort) und die Auswahl an Essen – die Ideen kommen von einem deutschen Kopf, der nicht nur sehr freundlich sondern fast mütterlich-liebevoll ist, wie sie uns das Frühstück empfiehlt und sagt, dass wir auf die Sonne Acht geben sollen. Wir fühlen uns wie im Himmel.

Leider sind die Gäste auch typisch deutsch, wie wir beim Abendessen feststellen mussten: Weiße Socken in offenen Sandalen und co. Ach, welch ein Fremdscham. Nun gut, nichts und niemand konnte uns die Freude an dem Buffet kaputt machen. Das Motto: „Little Italian Night“. Die Rechnung: 2040 Baht (=47 Euro). Dementsprechend werden wir heute essen: Reis, für höchstens einen Euro. Gelohnt hat es sich aber in jedem Fall. Bestimmt 20 Minuten geduscht, Mascara aufgetragen, sind wir in dem schönsten Dress, den wir mithaben (inklusive neuem Schmuck) zum Essen gegangen und hatten herzhaft viel Spaß.

Die Kellner hier sind unfassbar freundlich – das haben wir Katja beim Frühstück heute Morgen natürlich erstmal mitgeteilt. Über Lob freut sich jeder, vor allem wenn ein Deutscher am Nebentisch vorher bemängelt, dass Liegestühle statt normalen Stühlen auf seiner Terrasse stehen…

Etwas verwundert war unser Kellner allerdings als ich nach dem Essen samt Schlüssel plötzlich verschwand. Wir wussten nicht ob wir Bar oder erst beim Check-Out bezahlen müssen und wollten uns der Scham nicht hergeben, zu wenig Geld dabei zu haben. Also lief ich schnell zum Bungalow, als er unsere Zimmernummer wissen wollte.

Clare stammelte was von Spaziergang mit dem Schlüssel, der Kellner schien zu denken, sie sei übergeschnappt. Zurück im Zimmer hab ich geskyped und als ich die Augen zugemacht habe, war es tatsächlich halb 2 in der Nacht… Also ist um 19 Uhr Bettruhe, da läuft nämlich Mission Impossible 1 auf dem deutschen Fernsehsender. Paradies hin oder her. Tom Cruise muss sein.

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