Das “Wir” oder wir selbst – was ist wichtiger?

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Ich versus du, wir versus ihr, wir versus du. Der Mensch ist ein Herden-Lebewesen, er verbringt gerne Zeit in der Gruppe, geht emotionale Bindungen ein. Solange wie das ihm nützt beziehungsweise nicht schadet. Ansonsten kommen andere menschliche Triebe zum Vorschein: ‚Ich bin wichtiger, ich bin besser, ich höre nur auf mich“. Das ist auch eins der häufigsten Probleme in Partnerschaften und Ehen: das Streben nach Individualität – sich vor nichts und niemandem rechtfertigen zu müssen.

Also predigen Beziehungsexperten, das Wir-Gefühl von Anfang an, zu leben. Den Partner zu unterstützen, dann kann er auch Unterstützung erwarten, ihn zu motivieren. Manche Berater würden die Ehe sogar mit einem Unternehmen vergleichen: Geht es allen Mitarbeitern gut, geht es der Firma gut.

Und tatsächlich werden seit einigen Jahren immer mehr Wir-Wünsche laut: Es wird geshared, Autos, Wohnungen, Lebensgefühle. Der junge Mensch will seinen Weg nicht mehr alleine gehen.

In der Aufklärung noch hatte das Individuum genug damit zu tun, sich aus politischen und gesellschaftlichen Konventionen zu befreien. Man wollte sich entfalten, seine eigene Richtung einschlagen und sein Leben nicht mehr dem Allgemeinwohl verschreiben. Letzteres ist heute noch der Fall. Da sich Gesellschaft und Politik seither extrem gewandelt haben, hat sich auch der Mensch entwickelt: Er will frei und unabhängig sein; und doch Zusammenhalt und soziales Engagement geben und nehmen. So reisen Backpacker heutzutage durch Süd-Ost-Asien mit dem Ziel, sich drei Monate mal nur um sich selbst zu kümmern – und teilen ihre Erfahrungen in jedem Hostel mit anderen Allein-Reisenden. Es bildet sich eine Peer-Group, egal für wie lange.

Was sich im Reise-Jargon so flapsig anhört, ist im Unternehmertum noch nicht ganz angekommen. Unsere Generation gilt als egoistisch und einzelgängerisch wie wir im Blogbeitrag „Ist das Streben nach Individualismus so schlecht“ beschrieben haben. Das ist – ich spreche aus persönlicher Erfahrung – nicht wahr.

Okay: Je ehrgeiziger man ist, desto stärker kommen Einzelgänger-Züge durch, man will sich behaupten und direkten Konkurrenten die Stirn bieten. Das ist der natürliche Trieb des Menschen. Doch in der Generation Y ist das ganz stark verankert mit Team-Work und gegenseitigem Profitieren voneinander. Der Erfolg soll durch Fleiß kommen, nicht durch Ellenbogen. Ob im Einzel oder im Doppel, das wird individuell entschieden.

Das Zukunftsinstitut hat kürzlich die Studie „DIE NEUE WIR-KULTUR“ herausgebracht, der Untertitel lautet „Wie Gemeinschaft zum treibenden Faktor einer künftigen Wirtschaft wird“. Darin geht es unter anderem um die Unternehmenskultur bei Haufe Umantis, zu der ihr in unserem Buch einiges Spannendes erfahren werdet. So viel sei verraten. Weiter wird in der Studie eine Konnektivität beschrieben, die durch das Internet entstanden ist.

Der Trend zum „Openness“ sei deutlich zu spüren und fordere ein Umdenken von den Firmen. Die Crowd kommuniziert effizient und kurzweilig. Es heißt „Überall klingt es nach ‚Wir‘. Nach Zusammenhalt, nach dem Wunsch, mehr oder neue Gemeinschaft zu spüren, zu erzeugen, zu formen. Am besten alle sollen künftig mitmachen, „mitgenommen werden“, dabei sein und gefragt werden. Hängen all diese Phänomene zusammen? Wir glauben ja.“ 

Nehmen wir Unternehmen wie Google oder KPMG, die viel über virtuelle Mobilität kommunizieren.* Das wäre vor einigen Jahrzehnten so noch nicht möglich gewesen. Das ist ja klar, dass sich was verändert, sich ein Wir-Gefühl bildet – was in der psychologischen Fachliteratur „Kohäsion“ genannt wird.

Cohaerere ist lateinisch und bedeutet zusammenhängen. Die einzelnen Faktoren für ein Wir-Gefühl sind unter anderem

  • die gemeinsamen Ziele der Gruppe
  • Gruppenstolz und
  • die Attraktivität der Gruppe.

Und damit ist nicht die Schönheit der einzelnen Gruppenmitglieder gemeint ;-) Wenn diese und andere Faktoren gegeben sind, kann der Wunsch zum „Wir“ real werden.

Autor: Laura Waßermann
Link zum Blog: www.steffiburkhart.de

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Wie ihr vielleicht schon über den einen oder anderen Kanal mitbekommen habt, arbeite ich gemeinsam mit Steffi Burkhart – sie ist das Gesicht der Generation Y (den Titel gab ihr der ÖR, Steffi findet ihn zu hoch gesteckt, mir gefällt er) – an mehreren Projekten. Unter anderem kümmere ich mich um redaktionelle Dinge auf ihrem Blog, schreibe Blogposts und habe an ihrem Buch mitgearbeitet: „Die spinnen, die Jungen! Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y“ heißt es und ist seit März 2016 auf dem Markt. Deshalb werde ich in Zukunft den einen oder anderen Post auf lwa_weekly in dieser Richtung rebloggen.

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