Ein Jahr Pause von einer Freundschaft

Menschen sind scheiße: unzuverlässig, untreu, unfair. Mancher Partner genauso wie mancher platonischer Freund. Kann es auf dieser Basis funktionieren, ein Jahr Pause von einer Freundschaft zu nehmen?

Wenig Kontakt, kein einziger Besuch: Das bedeutet gleichzeitig wenig Interesse und wenig Verständnis. Oder kann man die Freundschaft nach einem einjährigen Stillstand einfach wieder aufnehmen? Muss man sich zwangsläufig vorwerfen, dass in dem Jahr jeder nur an sich gedacht hat?

Eins sollte uns klar sein: Der Mensch sieht, was er sehen will, was er lesen und hören will. Auf die Freundschaft bezogen, klingt das kompliziert – ist es nicht. Es ist die Wissenschaft von „Freund“ und „schaft“. Die Gleichung dazu ist einfach, sie ist in jedem Kopf versteckt: Meldet der andere sich oft, ist er ein guter Freund. Meldet er sich gelegentlich, könnte er ein besserer sein. Meldet er sich selten, ist er ein Egoist.

Die Gleichung stimmt, aber sie ist dumm. Und zwar von jedem von uns (mir eingeschlossen). Denn: Solange wir nicht alle Cyborgs* sind und wir unsere Gedanken so X-Man-mäßig automatisch in Textform umwandeln können, hat der andere überhaupt keine Ahnung davon, ob man an ihn denkt. Oder wie viel: oft, gelegentlich, selten?

Glücklicherweise wurde uns Menschen eine Gabe geschenkt, zum Lösen von Problemen und zum Binden von Freundschaften: reden. Ich bin der Meinung, mit nur einem persönlichen – nicht das blöde Missverständnis-Smalltalk-Gefasel bei WhatsApp – Gespräch kann die Frequenz des aneinander Denkens geklärt werden.

Weil es Dinge im Leben gibt, die jemanden dazu veranlassen, die eine oder andere Freundschaft zu vernachlässigen. Selbst wenn man das nicht will. Dem Schicksal und dem lieben Gott ist das nämlich herzlich egal. Prinzipiell sind das keine Kleinigkeitsgründe; vor allem nicht, wenn es sich um so einen langen Zeitraum wie ein Jahr handelt. Doch vermutlich liegt darin die Schwierigkeit: Je länger der Kontakt ausbleibt, umso schwerfälliger wird es, wieder zueinander zu finden.

Muss deshalb aus der Freundschaft gleich eine gewisse Anti-Freundschaft werden? Nein. Ich gehe soweit, dass ich sage: Wenn ein „Freund“ oder eine „Freundin“ dir nach einem Jahr Pause vorwirft, du hättest nur an dich selbst gedacht, ist das nicht nur einfältig sondern schlichtweg gemein.

Doch Anti-Freunde wird es leider immer geben: die, die nur die eine Seite verstehen, die, die lieber schieĂźen statt reden. Hass ist eben leichter als Liebe.

Menschen sind scheiße, aber zum Glück nicht alle. Pausen in einer Freundschaft können funktionieren und wenn der andere kein Verständnis hat und zum Anti-Freund wird, bleibt uns nur noch eins: abhaken! Und vielleicht darüber schreiben.

* Die verrückte Clare Devlin ist seit kurzem ein Cyborg, darüber berichtet sie auf ihrem Instagram-Kanal (@clarevan) , bei Twitter (@clarevdev) und im Radio bei Einslive. 
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