Fastenzeit: Fleisch oder Nudeln?

Bei jedem Gang in den Supermarkt musste ich mir sagen: keine Salami, keine Würstchen,  kein Hühnchen. Was die Vegetarier unter euch erschaudern lässt, war für mich wirklich eine Herausforderung. Dabei esse ich im Alltag nicht viel Fleisch: mal Putenbrust zum Frühstück, hin und wieder ein Besuch bei Hans im Glück und Co. Das war’s auch schon. Aaaaber… wenn ich nicht darf, will ich!

Genau darum geht es ja beim fasten: Man soll auf etwas verzichten, worauf man nur sehr schwer verzichten kann. Zumindest wenn man es aus Glaubensgründen tut, andere Gründe finde ich persönlich fraglich… Heilfasten und eine Woche nur Brühe trinken? Bäh! Jedenfalls habe ich am Aschermittwoch 2013 gesagt: Schluss mit Fleisch und das für ganze (ungefähre) 40 Tage. Ich glaube, ich habe mich seit der Kindheit nicht mehr so auf Ostern gefreut. Noch ein Sinn beim fasten!

Besonders schwierig fand ich es beim auswärts essen (oder bei dem Versuch dabei). Ich war in der Zeit vier Wochen in Berlin im Praktikum. Dort gibt es zwar genug veganes Hipster-Zeug, aber schmecken tut dieses Superfood wie Kale nicht. Erst recht nicht, wenn man wie ich ordentliche Hausmannskost liebt: Hmm, Erbsen- oder Linsensuppe, Graupeneintopf… Darein gehören nach Omas Rezept einfach Würstchen oder Speck.

Also habe ich gekämpft: in jeder Mittagspause, bei jedem Einkauf, bei jedem Restaurantbesuch. Burger- oder Steakläden habe ich komplett gemieden.

Die 40 Tage waren fast um, es war Karfreitag und ich war auf einer Party. Datteln im Speckmantel. Die Küche, nein, die ganze Wohnung roch danach. Das war hart. Ich war so kurz vor dem Ziel, aber diese kleinen süß-deftigen Dinger esse ich doch so gerne. Ich habe schon daran geschnuppert, als ich an meine Gründe des Fastens erinnert wurde: Verzicht und Willensstärke. Also habe ich sie liegen lassen, diese miesen gut riechenden Datteln.

Ein Jahr später – ich wollte etwas anderes ausprobieren und mich in meiner Selbstkasteiung steigern – habe ich Nudeln gefastet. Glaubt mir, anfangs war das genauso schlimm wie Fleisch oder schlimmer. Man merkt einfach nicht, wie oft man eine Sache zu sich nimmt, bis man es nicht mehr darf. Ich esse mehrmals pro Woche Nudeln, vor allem wenn ich zuhause oder in anderen WGs zu Gast bin. Und: Man findet leckere Nudelgerichte auf jeder verdammten Speisekarte. Klar, das essen ja auch 10 von 10 Menschen gerne.

Zum Glück hat eine meiner Mitbewohnerin mitgemacht. Wir haben uns gegenseitig gepusht und ermahnt, Reis oder Kartoffeln zu kochen, wenn uns die angebrochene Spaghetti-Packung angelächelt hat. Wie kann sie nur?! Trotzdem konnte ich mich an den Nudelverzicht schneller gewöhnen als den des Fleisches. Ich weiß nicht, warum. Vermutlich weil Nudeln tendenziell ungesünder sind.

Apropos Gesundheit: Erst Fleisch, dann Nudeln. Wie sollte das weitergehen, hatte ich mich gefragt? Konnte es für mich noch eine Steigerung geben? Ja, die gab und gibt es. Aber darauf werde ich nie und nimmer verzichten. Nicht, weil ich glaube, es nicht zu schaffen sondern weil ich in den 40 Tagen dauerhaft PMS hätte: Schokolade.

Zartbitter, cremig, crunchy, mit Milch oder in weiß. Alles zu guter Stoff, um ihn zu vermissen. Und Nutella erst… Meine Schwester zog mich als Kind immer damit auf, in einen riesigen Nutellatopf gefallen sein zu müssen, weil ich am liebsten (wenn ich durfte) ein Nutellabrot in der Hand hatte – und im Gesicht. So wie Obelix aber eben nicht mit Zaubertrank. Obwohl ich stark davon ausgehe, dass auch Nutella magische Kräfte verleiht.

Ich komme vom Thema ab: Letztes Jahr jedenfalls habe ich Fast Food gefastet und zwar, weil ich Anfang des Jahres zu viel McDonald’s, Pizzahut usw. gefuttert habe. Irgendwann kam’s mir aus den Ohren raus und ich habe verzichtet. Das war definitiv zu einfach!

Also, was soll es dieses Jahr werden? Nudeln und Fleisch? Das pack ich nicht… oder? Nudeln und Schweinefleisch wäre ein Kompromiss. Was meint ihr? Was esse ich im Moment besonders gerne: Tomaten, Avocado, Suppen – all das gesunde Zeug, da macht Verzicht für mich keinen Sinn. Nach Karneval ist Alkoholfasten prinzipiell auch keine schlechte Idee. Aber das würde mir im Alltag nicht schwer fallen (Gott sei Dank vermag ich hier zu behaupten).

Für mich beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet an Karsonntag. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind das 45 Tage. Die 40 Tage werden also weniger mathematisch als symbolisch gedeutet.

Eine Möglichkeit gibt es übrigens noch: Eine Woche auf alles zu verzichten, was ich eben aufgezählt habe und dann zu entscheiden, was am härtesten ist. Und wer weiß, hinterher wird es noch was ganz anderes.

Update: Ich habe mich für Nudeln entschieden und es fällt mir erstaunlicherweise nicht schwer. Ich esse viel Reis und Kartoffeln, also Sushi und Chinese Food, Suppe, Eintopf und all dieses leckere Zeug. Trotzdem freue ich mich auf eine ordentliche Portion Spaghetti, die ich in ein paar Wochen verschlingen werden. Ein gutes Gefühl!

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2 Gedanken zu “Fastenzeit: Fleisch oder Nudeln?

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