„Du hast es auch nicht so mit Tiefen“

Jep, das hat er gesagt. Mein Mitbewohner. Super nett, super lovely, super gut für die WG-Stimmung. Zugegeben: Ich bin kein großer Fan von ihm, wir hatten einen ziemlich schlechten Start und seitdem wurde es nur minimal besser. Deshalb nehme ich ihm einen Satz wie diesen übler als anderen Menschen. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass er das schon immer mal sagen wollte – zumindest seit wir unseren ersten WG-Streit hatten. Nur zwei Wochen, nachdem ich (wieder) eingezogen war.

Ich hatte meine WG fürs Volo untervermietet, in der Zeit ist mein Mitbewohner eingezogen. Mitspracherecht hatte ich nicht. Leider, wie sich jetzt herausstellt. Das hier ist meine siebte WG-Konstellation (durch Praktika usw.) und ich bin eigentlich mit fast all meinen Mitbewohnern bisher gut ausgekommen, egal wie verschieden wir waren. Mir ist es egal, ob wir die gleiche Musik mögen, die gleichen Filme gucken oder Hobbys teilen. Ich denke, man kann mit vielen Menschen zusammen wohnen, dafür muss man nicht unbedingt auf einer Wellenlänge sein. Schön ist es natürlich, aber es ist kein Muss.

Wenn es nicht die eine Länge ist, finde ich es umso wichtiger, dass man offen und aufgeschlossen dem anderen gegenüber ist, dass man sich Mühe gibt, die guten Seiten an seinem Mitbewohner oder seiner Mitbewohnerin kennenzulernen – damit man sich darüber freuen und über die nicht übereinstimmenden Merkmale hinweg sehen kann. Nun gut, mit dieser Einstellung bin ich hier alleine: Nur zwei Wochen nach meinem Wieder-Einzug (ich hatte mich sehr auf die Wohnung, den Balkon und den Ruhrpott gefreut, nachdem ich ein Jahr bei Grönemeyers Zeile „Wer wohnt schon in Düsseldorf“ nicht mitsingen durfte) hatten wir den besagten ersten Disput.

„Wie kann man so viele Schuhe haben?“
„Du bist echt eine… Tussi“
„Du isst Fleisch? Du bist doch bestimmt so eine Öko-Tante“

Dass die Klischees Tussi und Öko nicht wirklich zusammen passen, hat er wohl nicht geschnallt. Er schnallt überhaupt sehr wenig. Nach mehreren Aktionen wie einem Pseudo-Erstickungsanfall, als ich in meinem Zimmer Haarspray benutzt hatte, habe ich deutlich gemacht, so nicht. In etwa: „Wenn du mich nicht leiden kannst, ist das dein Pech. Lern mich mal lieber kennen anstatt mich ständig argumentationslos blöd anzumachen.“

Seitdem habe ich: einen Putzplan gemacht, die Küche aufgemotzt, das Bad gemütlicher gemacht, aussortiert, sortiert, umsortiert… eben Sachen gemacht, damit wir – meine beiden Mitbewohner und ich – uns in unserer Wohnung wohlfühlen. Das ist Sinn der Sache Wohnen, richtig? Aktuell ist dann der Kauf eines Küchenschranks dazu gekommen. Grund: Vorher standen (meine) Teller, Tassen und Gläser in einem offenen Regal und sind eingestaubt. Eklig!

Also habe ich einen neuen Schrank gekauft, von meinem Geld, inklusive Lieferung und Montage (ich hab’s nicht so mit tragen und aufbauen).

„Kein Problem, ich zahle das schon, wenn ihr kein Geld habt.“ „Mir ist das wichtiger, dass es schön ist.“ „Ich nehme ihn dann ggf. mit, wenn ich irgendwann ausziehe.“

Heute war es dann soweit: Der Küchenschrank kam an, juhu. Kein Problem, natürlich räume ich um und putze und betreue den Aufbau. Mitbewohner(in) 1 sagt „Cool, sieht schick aus.“ Mr. Charming dann: „Du hast es auch nicht so mit Tiefen.“ Soooooo nice! Hab‘ mich richtig gefreut ❤ Nicht.

Warum ich das hier erzähle? Keine Ahnung! Weil ich (zum ersten Mal) in einer Zweck-WG lebe und das Netz mein zuhause ist? Wäre poetisch. Achja: Sein Lieblingsbuch ist von Sartre. Meins? Hab‘ Twilight geantwortet, ich will sein Weltbild nicht zerstören.

 

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4 Gedanken zu “„Du hast es auch nicht so mit Tiefen“

  1. Oh, das tut mir wirklich Leid, dass du so ein Pech mit deinem neuen Mit-Bewohner hast… Am liebsten würde ich dich gerade bei mir zu Hause aufnehmen. Ich fühle da echt mit dir: Beim Lesen wollte ich dem Kerl am liebsten gerade den Hals umdrehen 😀

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  2. Pingback: #Throwbackthursday: Barcelona 2011 | lwa_weekly

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