Literatur: „Das wird nicht das Ende Amerikas sein.“

Steve Case bekam Lust an der Welt der Unternehmensgründer, bevor er ein Teenager war. Deshalb beginnt er sein Buch „Die dritte Welle“ mit dieser Geschichte von zwei hawaiianischen Jungen – er zehn, sein Bruder Dan elf – die den Traum hatten, erfolgreich zu sein. Tatsächlich wurde Case nur 22 Jahre nach dem Bauchladen-Verkauf von Hochzeits- und Geburtstagskarten der CEO von America Online, kurz: AOL – einer der erfolgreichsten Internetfirmen jemals.

Bis heute gibt Case nicht auf, als Internet-Pionier der ersten Stunde auf immer neuen Wellen des Internets mitzusurfen – inzwischen mehr als Investor und Regierungsberater denn als Unternehmer. Sein aktuelles Projekt: das Internet der Dinge zu durchschauen. In seinem neuen Buch versucht sich Case an einer Erklärung, die dritte Welle, so nennt er die aktuelle Phase des Internets, als Chance für Wirtschaft und Gesellschaft in den USA zu sehen. Nachdem sein AOL, Netscape und andere Firmen in der „ersten Welle“ das kommerzielle Internet etablierten, bauten Firmen wie Google oder Facebook in der „zweiten Welle“ Suchmaschinen und soziale Netzwerke, die eine Nutzung für jedermann ermöglichten.

In der „dritten Welle“ – dem Internet der Dinge – wähnt Case das Gesundheits-, das Bildungs- und das Ernährungssystem vor der digitalen Transformation. Er entwirft eine neue Welt, in der Smartphones Gerinnsel im Hirn feststellen oder die Anzeichen eines Herzinfarkts frühzeitig erkennen. Das Bildungssystem will er individueller und datenbasierter machen. Eltern sollen interaktiv in das Schulleben ihrer Kinder einbezogen werden – mit Hilfe von Apps und virtuellen schwarzen Brettern. Und das alles geht nur mit großen Datenmengen. Lebensmittel wie Fleisch könnten laut Case in Echtzeit überwacht werden, auf dem Weg vom Supermarkt bis hin zum eigenen Kühlschrank. Das ließe sich auf jede Art von Lebensmittelüberwachung übertragen. Wo viele Deutsche Fragen nach dem Schutz der in Umlauf gebrachten Daten stellen würde, sieht Case nur Chancen – solche Bedenken ignoriert er in der Regel.

Und das Internet der Dinge kommt nicht erst: Kühlschranke sind schon jetzt smart und erkennen, dass der Milchvorrat leer ist. Ganze Häuser sind vernetzt und merken über Sensoren, ob jemand zuhause ist. Sie fahren die Rollläden herunter und stellen Überwachungskamera und Alarmanlage scharf. Von den Chefs der großen Firmen fordert Case eine Disruption an sich selbst. Industrien dürften nicht länger annehmen, sie seien immun gegen technologische Veränderungen, sondern sollten langfristig nach Wegen suchen, die sie an diesen Veränderungen teilhaben lässt. Als Positivbeispiel nennt er die Erfindung von Apples iPhones: Damit hat das Unternehmen dem Verkauf des eigenen iPods immens geschadet.

Gewidmet hat Steve Case „Die dritte Welle“ aber keineswegs den Big Playern. Sondern Entrepreneuren, die ihn inspirieren und mit ihren Ideen die Welt verändern wollen. Für sie hat er vor allem einen Tipp: sich mit der US-Regierung gut zu stellen. Zum Einen müsste sich jeder Gründer in den USA bewusst sein, dass die Politik die nötigen Mittel hat, um Regeln und Vorschriften zu vermindern. Zum Anderen adressiert Case seine Vorschläge an die Regierung – für die er mehrere Jahre gearbeitet hat – indem er eine Lockerung des Einwanderungsgesetzes für Unternehmer – ein Vorhaben, das in der Regierung Trump wohl wenige Freunde finden wird.

Obwohl das Buch bereits vor der Wahl erschien, ist Case um sein Land, das er „das erfolgreichste Start-up der Weltgeschichte“ nennt, besorgt. Länder wie Deutschland oder Südkorea schienen für die dritte Welle besser vorbereitet zu sein als die USA. Das schreibt Case in dem Kapitel „Die Disruption Amerikas“. Die Koreaner investierten Milliarden-Beträge in Entrepreneurships und London sei führend im Bereich Crowdfunding. Deshalb macht Case sechs konkrete Vorschläge, um die Weltmachtstellung der USA zu halten: Unter anderem solle mehr Geld in Forschung gesteckt und die Talent- und Investorensuche erleichtert werden. Am Ende behält Case aber den Optimismus, den er wohl mit jedem erfolgreichen Unternehmer teilt: „Das wird nicht das Ende Amerikas sein.“

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