Online-Dating 1:0 Happy End

Tinas schlimmstes Erlebnis mit Online-Dating war, als der Typ, mit dem sie gerade ausging, sie um ihre Kreditkartendaten gebeten hat. Angefangen habe alles ganz schön, sagt die 33-Jährige. Die beiden lernten sich über Tinder kennen, das war 2016. „Es ging irgendwie super schnell, wie im Traum, auf einmal waren wir verliebt“, sagt Tina, dessen Namen wir geändert haben. Nach wenigen Wochen der Flirtphase wollte sie alleine in den Urlaub fahren, als der Horror eines jeden Online-Daters begonnen hatte: „Er rief mich an und erzählte mir, dass er gerne mitkommen würde, man aber sein Konto gepfändet hätte.“ Ob sie ihm nicht ihre Kreditkartendaten geben könne. Außerdem habe seine Ex-Freundin Stress wegen des gemeinsamen Kindes gemacht. Ehe Tina sich versah, wurde aus dem Frisch-verliebt-sein ein mehrtägiges Drama mit cholerischen Sprachnachrichten und vielen Tränen. Am Ende ist sie in den Urlaub gefahren und als Single wieder gekommen.

Doch das war nicht ihr letzter Mann, den sie über Online-Dating kennengelernt hat. Seit mehr als vier Jahren macht Tina das Prozedere jetzt schon mit: Jemanden „matchen“, anschreiben, ein Date ausmachen, das Date ein- und aushalten, getrennte oder (vorübergehend) gemeinsame Wege gehen. Damit ist sie eine von mehr als acht Millionen Deutschen, die aktiv im Internet nach einem Partner suchen. Internet bedeutet in diesem Fall: Online-Dating-Börsen wie Parship oder Elitepartner beziehungsweise Apps wie Tinder oder Once. 

Tatsächlich gehen demnach rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung auf diesem Weg auf Partnersuche (abgesehen von den Unter-18-Jährigen und den Über-60-Jährigen). Und trotzdem gilt das Thema Online-Dating noch immer als verpönt. Ja, auch im Jahr 2018. Weil es mit Traditionen bricht, seine persönlichen Daten in einem Profil zu speichern und einem Algorithmus den Rest der Romantik zu überlassen. Weil Geschichten wie die des Kreditkarten-Liebhabers von Tina kein Einzelfall sind, wenn es ums Verlieben im Internet geht. 

„Ich hatte im realen Leben einfach wenig Erfolg, jemanden kennenzulernen“, antwortet die 30-Jährige auf die Frage, warum sie überhaupt angefangen habe, im Netz auf Männerfang zu gehen. Beim Ausgehen hätten sie meist jüngere Männer angesprochen, deshalb hat sie sich irgendwann bei Parship angemeldet: „in der Hoffnung, dass die Leute dort ernsthaft auf der Suche sind.“ 

Peter Walschburger, Biopychologe an der Freien Universität Berlin, bezeichnet das Kennenlernen via App als Automatismus. Unterbewusst greife der Mensch zum Smartphone, um jemanden zu kontaktieren beziehungsweise zu “stalken”, wenn er oder sie Dinge über die Herzdame oder den Herzbuben herausfinden will. Das geht immer noch am besten bei Facebook oder Instagram. Das sei auch der Fall, lerne man sich im realen Leben kennen, meint Walschburger: „Dass man nach einer gemeinsamen Nacht seine*n Sexualpartner*in am nächsten Morgen erstmal im Internet checkt, ist ganz natürlich.“ Es käme dann auf äußerliche Attribute an, die vielleicht nicht die wichtigsten seien, aber: „Der Mensch ist per se neugierig.“

Auch Tina hat meistens die Facebook- oder Instagram-Profile ihrer Matches gecheckt, bevor sie sich zum Date verabredet hat. Aus Sicherheit und um in ihrer Komfortzone zu bleiben. So hat sie auch Jan bei Social Media ausgeleuchtet, mit dem sie im vergangenen Sommer via App gechattet hatte – als ihr eigentlich schon längst die Lust auf Online-Dating vergangen war. „Wäre da nicht diese nette Konversation mit einem Typen gewesen“, sagt Tina heute. Kurz davor, endgültig alle Apps und Profile zu löschen, haben sie und Jan sich kurzerhand getroffen. Ein letztes Mal über ihren Schatten springen, hatte sie sich damals vorgenommen. Heute, knapp ein Jahr später wohnt sie mit dem “Typen” zusammen und aus der “netten Konversation” ist ein Lebensplan geworden. 

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