BCN: Woche 6 #itsGauditime

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Wahnsinn! Seit sechs Jahren komme ich jedes Jahr nach Barcelona und trotzdem habe ich nie das beliebteste Touristenziel der Stadt besucht: Casa Batlló am Passeig de Gracia. Der Grund: Der Eintrittspreis ist verdammt teuer, 28 Euro. Allerdings, wie man drinnen durch den Audioguide erfährt, finanzieren die Eigentümer das Haus nicht über staatliche Mittel sondern nur über Eintrittsgelder und Spenden. Dafür lohnen sich die 28 Euro wiederum.

Das Haus, das Antoní Gaudi Anfang des 20. Jahrhunderts für die Familie Batlló gebaut und gestaltet hat, ist wunderschön, sehr interessant und der Besuch sowas von wert. Zumal bei Sonnenschein ein kurzes Verweilen auf der Dachterrasse sehr entspannend sein kann – und das mitten im Touritrouble.

 

Ein Audiguide führt den Besucher durch das Haus. Pro Raum hört man eine Audioshow, manchmal mit Videoelementen, wie die Räume früher aussahen. Echt cool gemacht, sehr abwechslungsreich und informativ. Und was man nicht interessant findet, so wie ich den Dachboden zum Beispiel, kann man das einfach überspringen und mehr Zeit zum Sonnen und Zuhören verbringen. 🙂

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Das jähe Ende des Unabhängigkeitstraums

Der Konflikt um Katalonien hat einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Die separatistische Regionalregierung soll abgelöst werden. Es droht eine neue Protestwelle. Doch viele Katalanen scheinen zu resignieren.

Ist es das endgültige Ende der katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen? Oder der Auftakt zu einer neuen und möglicherweise noch größeren Protestwelle gegen die spanische Zentralregierung? Ministerpräsident Mariano Rajoy hat nach einem Treffen mit seinen Ministern Artikel 155 der spanischen Verfassung in Kraft gesetzt und den Senat dazu aufgefordert, für die Entmachtung der Regionalregierung in Barcelona zu stimmen.

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BCN: Woche 4 #Diversion

Das Referendum ist inzwischen mehr als eine Woche her, die Verhandlungen über eine mögliche Unabhängigkeit Kataloniens gehen weiter.

Währenddessen bricht meine vierte Woche in Barcelona an. Und obwohl ich es sehr spannend finde, in Sachen #Catalunya up-to-date zu bleiben, ist es doch wichtig für mich, in erster Linie Studentin in dieser wunderbaren Stadt zu sein. So versuche ich, mich allerhand zu informieren und die Stimmung aufzusaugen, mein Daily-life aber nicht nur aus politischen News bestehen zu lassen.

Zur Abwechslung gibt es ein Bier-testing in einer Craftbeer-Bar … Sehr lecker!

… Filmfestival in Sitges, einem unheimlich tollen Ort, nur 40 Zug-Minuten von Barcelona entfernt – mit Tinte de Verano (Rotwein mit Sprite und Früchten, leckerer und gesünder als Sangria) und dem neusten Buch des deutschen Journalisten Henning Sußebach bei Tisch …

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Reportage: Plötzlich knallt es vor dem Wahllokal

Aktivisten beschützen Wahllokale, die spanische Polizei setzt Gummigeschosse ein. In Barcelona eskaliert am Tag des Referendums der Streit um die Unabhängigkeit Kataloniens. Viele Katalanen haben die Geduld mit der Zentralregierung verloren.

Sergi Saranga sieht erschöpft aus, als er vor der Grundschule im Osten Barcelonas die vorbeigehenden Passanten beobachtet. Saranga hat die Nacht über nicht geschlafen. Er hat Augenringe und das gleiche T-Shirt wie gestern an. „Auch das gehört zur Demokratie“, sagt der 22-Jährige und lacht.

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BCN: Woche 2 #CatalanReferendum

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Barcelona says „Sí“ – does it?

An diesem Sonntag findet das Referendum der Katalanen statt, bei dem sie über die Unabhängigkeit ihrer Gemeinschaft abstimmen. Die Frage auf den Wahlzetteln wird lauten: „Do you want Catalunya to be an independent State in the form of a Republic?“ Auf Catalan, Castellano oder Occitan werden die Menschen zwischen 9 Uhr und 20 Uhr mit „Sí“ oder „No“ voten. Doch was wollen die Katalanen zwischen Luchon, Girona und Tortosa? Wollen sie den politischen und wirtschaftlichen Status, der dem eines Staates gleicht?

Alles deutet auf eine Zustimmung hinaus: die Sí-Flaggen, die Hunderte Häuser schmücken (siehe Fotos). Dessen Bewohner, die seit Wochen auf die Straße gehen. Barcelona demonstriert nun beinahe täglich für die Unabhängigkeit und gegen die Regierung Madrids, die die Bestrebungen der Regionalregierung von Katalonien seit Jahren ablehnt. Auch die Professoren und Studenten an der Universität, an der ich seit einer Woche studiere (Pompeu Fabra, kurz „upf“), machen Werbung für das Referendum. Donnerstag und Freitag fallen sogar alle universitären Veranstaltungen aus. Seitens des Rektors heißt es: „Moved by the need to give an answer in defense of the Catalan institutions, fundamental rights and democracy. Expressing its deep concern about the violation of fundamental rights and the democratic freedoms that are taking place these days.“

Den Enthusiasmus vieler Katalanen finde ich außergewöhnlich. Drei Jahre nach des vergeblichen Referendums in 2014, das von Madrid als illegal erklärt wurde, setzen sie sich nach wie vor für ihre Werte ein. Was die jungen Leute dazu motiviert und ob vergangene Abstimmungen wie der Brexit eine Rolle spielen, will ich am Sonntag herausfinden. Fürs Handelsblatt werde ich auf den Straßen von Catalunyas Hauptstadt unterwegs sein, Videos machen, die Stimmung einfangen. +++ Updates dann auch hier. +++

BCN: Woche 1 #Welcomeback

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Was für ein Start! Seit einer Woche wohne ich (zum zweiten Mal) in Barcelona und alles ist so wundervoll vertraut-neu. Es gibt Straßen, die ich schon ein Dutzend mal entlang gebummelt bin und Gassen, die ich erst heute entdeckt habe. Sechs Jahre, nachdem ich zum ersten Mal hier war, erwische mich abwechselnd beim In-Erinnerungen-schwelgen und dem berühmten Touri-Modus, alles auffangen zu wollen und das meistens mit der Kamera meines iPhones.

Diese erste Woche ist vor allem so herrlich, weil ich erst ab nächsten Dienstag Uni habe: Current Democracies an der Pompeu Fabra, kurz upf. Politische Theorien zu Immigration, Federalism, Dictatorships etc. Darauf freue ich mich, zumal ich hier zum ersten Mal zu den Full-time-Studenten zähle, die voll und ganz die Uni zelebrieren – inklusive Pauken in der Bib, den 70-Cent-Kaffee aus der Mensa trinken oder Ausgehen an einem Wochentag. Btw: Café con leche ist in Spanien auch in der Mensa super.

Bevor es aber so richtig losgeht, nutze ich die Zeit, um anzukommen, Neues zu entdecken und mir Altes ins Gedächtnis zu rufen. Ich bin gespannt, wie das eine Master-Jahr verlaufen wird und welche vergangenen Erlebnisse den Neuen weichen. Das ist ein prima Anlass, hier wieder wöchentlich zu bloggen, und zwar ab sofort mindestens 52 mal. Für jede Barcelona-Woche 🙂 Viel Spaß!

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Xampagneria, Port Vell

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Bibliothek an der upf, so called „Hogwarts“

Galería MAXÓ im Viertel Borne
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Carrer Portal Nou

Was zur Hölle mache ich nach dem Bachelor?

Den Bachelor (fast) in der Tasche, heißt es: Was kommt jetzt? Diese Frage habe ich mir gestellt, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte zwischen Master, Selbstverwirklichung und Co. Ein Problem meiner Generation.

Wenn etwas zu Ende geht, denkt man an den Anfang, heißt es. Oder man denkt daran, wie es um Himmels Willen weitergehen soll. So erging es mir Anfang des Jahres, als ich angefangen habe, meine Bachelorarbeit zu schreiben und so ergeht es vielen jungen Menschen, die den ersten Grad ihrer akademischen Bildung, den Bachelor schon abgeschlossen haben. Drei, vier Jahre gepaukt, für Klausuren gelernt, Hausarbeiten geschrieben und sich mit anstrengenden Dozenten auseinandergesetzt. Und wofür? Dass man ähnlich wie nach dem Abitur nicht weiß, was die Zukunft bringt oder was die Zukunft bringen soll oder was sie bringen kann – als befände man sich in einer Art Limbo, also in einem Schwebezustand.

Es ist wieder einmal das Problem unserer Generation. Wir leben seit jeher nach dem Maßstab, wir könnten den Job unserer Träume an einem beneidenswerten Ort finden, ihn durch Work-Life-Balance mit einer romantischen Liebesbeziehung kombinieren und nebenher die Welt retten. Gleichzeitig ist ständig die Rede von „High Potentials“ oder „Overachievern“, den Leistungsträger*innen unserer Gesellschaft. Das setzt uns unter Druck. Es reicht eben doch nicht, uns nur selbst zu verwirklichen.

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